Reisebericht von Australien
08.August bis 27.Oktober 2017
Mit Etihad Airways flogen wir über Abu Dhabi nach Perth. Südwest-Australien empfing uns wie erwartet mit nasskaltem Winterwetter. Die Übernahme von unserem Hippie Camper, genannt „Katie“, klappte perfekt. Die ersten Eindrücke von Katie liessen uns aber nicht jubeln, der erst 4jährige Camper sah in allen Teilen ziemlich gebraucht aus. Doch schon nach einer Woche waren wir restlos begeistert, es war Liebe auf den zweiten Blick :-)
Nun galt es die mitgebrachten 5 Flaschen Schweizer Schnaps abzugeben. Unsere Freunde aus der ersten Australienreise wünschten sich mal was Gutes zum Trinken. :-) Dafür durften wir 2 Tage die Gastfreundschaft von Rene und Lucy geniessen und mit ihren 4 Hunden spielen: Mäx, Sky, Baba und Baby Boy.
Dann hatten wir aber genug vom kalten Regenwetter, zügig fuhren wir über den Great Northern Highway die 1200km nach Newman in die Pilbara Region. Hier besuchten wir die grösste offene Eisenerzmine der Welt: Mount Whaleback. Wo früher ein rund 300m hoher Berg war ist jetzt ein unvorstellbar grosses Loch. In 135m Tiefe müssen wöchentlich 46 Millionen Liter Grundwasser abgepumpt werden. Seit 1969 wurden auf der 426km langen Bahnlinie über 1 Billion Tonnen Eisenerz in den Hafen von Port Hedland transportiert.

Das Juwel der Pilbara ist aber ganz klar der Karijini Nationalpark. Mit rotleuchtenden, steilen Schluchten, erfrischenden Pools und Billabongs, vielen Wanderwegen und einladenden Campingplätzen bietet er eine enorme Vielfalt für den Besucher. Wir wanderten durch die Dales Gorge und badeten im Circular Pool, dem Fern Pool und den Fortescue Falls. Wir bestiegen den 1235m hohen Mount Bruce mit der fantastischen Aussicht auf den Nationalpark und die Marandoo Eisenerzmine sowie den 1128m hohen Mount Nameless bei Tom Price. Wir wanderten, kletterten und schwammen durch die Hancock Gorge. Zum Kermit’s Pool hin wird die Schlucht sehr schmal und der blankpolierte Fels ist einzigartig. Auch die Weano Gorge mit dem Handrail Pool und die Joffre Falls mit dem eiskalten Wasser sind perfekte Badespots.
Da Katie keine Schotterstrassen mag, fuhren wir nun in einem grossen Bogen, 500km, über Karratha in die Chichester Range zum Phyton Pool. Nebst dem Baden inmitten der roten Felsen wanderten wir über den Camel Trail und bestiegen den Mount Herbert, ein heisses Vergnügen bei 35 Grad :-)

Zurück in Karratha ging es nun erstmals wieder südwärts entlang von unseren Tandemspuren durch die Pilbara-Wüste, natürlich um einiges bequemer als im 2014 :-) An dieser Stelle einige Infos zu unserer lieben Katie: Der Mitsubishi L300 hat eine eingebaute Küche mit Spülbecken und Kühlschrank. Dazu Gasherd, Wasserkocher, Toaster und als Brandschutz einen Rauchmelder mit Feuerlöscher. Für das Wertvolle gibt es einen Tresor und für die langen Abende, ab 18.30 ist es stockdunkel, sogar einen Fernseher mit DVD. Im bequemen Doppelbett schläft es sich fast wie zu Hause und tagsüber sorgt das ausziehbare Vordach für genügend Schatten.
Von der heissen und trockenen Pilbara fuhren wir nun an den Indischen Ozean nach Exmouth. Hier beginnt das westaustralische Tauch- und Schorchelparadies: Ningaloo Reef. Zuerst besuchten wir den Cape Range Nationalpark mit seinen hervorragenden Schnorchelmöglichkeiten. Auge in Auge mit Turtles, Reef Sharks und all den farbenfrohen Fischen ist einfach genial. Nebst dem Schnorcheln bei Lakeside, Oyster Stacks und Turquoise Bay wanderten wir durch die Schluchten von Mandu Mandu und Yardie Creek, dabei beobachteten wir die Kletterkünste der Black footed Rockwallabies.
Den nächsten Stopp am Ningaloo Reef machten wir in Coral Bay. Das Highlight hier ist natürlich die Bäckerei mit den weltberühmten Blueberry Turnovers :-) So ganz nebenbei sind auch die Schnorchelspots Weltklasse. Farbenprächtige Korallen nur 10m vom Sandstrand entfernt findet man an der Paradise Beach und am Five Fingers Reef.

Das nächste Ziel war der Mount Augustus, „the biggest rock on earth”. Wiederum weigerte sich Katie die staubigen, roten Pisten unter die Räder zu nehmen :-( Also mieteten wir in Carnarvon einen grossen 4x4 (Mazda BT50), füllten Wasser und Essen, und starteten ins schier unendliche Outback. Der Mount Augustus ist 16km lang, 5 km breit und 700m hoch (1105müM), ein wahrlich riesiger Felsen mit einer wahrlich grandiosen Weitsicht nach dem Aufstieg über den Gully Trail.
Auf der Rückfahrt besuchten wir die Kennedy Ranges mit ihren spektakulären Sandsteinformationen. Nach dem Bewundern der Honeycomb Gorge stellten wir unser Zelt im malerischen Temple Gorge Campground inmitten des Nationalparks. Nach einem nächtlichen Gewitterregen kam dann am Morgen die böse Überraschung: Road closed für ganze 2 Tage. Aus den roten Staubstrassen wurden unbefahrbare Schlammpisten. Für uns ein teures Gewitter, da unser Mazda 120 CHF / Tag kostet. :-( Dafür hatten wir genug Zeit alle Wanderungen zu unternehmen und Toni kam in den Genuss eines Bades im Pool der Drapers Gorge, welcher normalerweise monatelang staubtrocken ist.
Nach 5 Tagen und Nächten im Outback mit 1040 Autokilometer (700km Schotter), füllten wir in Carnarvon wieder unsere Vorräte und fuhren mit unserer geliebten Katie nach Quobba zu den Blowholes. Hier werden kräftige Ozeanwellen durch Löcher in der Felsküste gedrückt, dabei entstehen bis zu 20m hohe Wasserfontänen, bei richtigem Licht sogar mit einem wundervollen Regenbogen. In der Lagune nebenan, genannt Aquarium, ist das Schnorcheln traumhaft schön. Umgeben von unzähligen farbenfrohen Fischen inmitten dieser Bilderbuch-Landschaft, ein Highlight unserer Australienreise.

Auf der Weiterfahrt nach Süden stoppten wir in Hamelin Pool, einem der schönsten Tandem-Camps im 2014, bevor wir im Kalbarri Nationalpark auf Fotojagd gingen. In den Schluchten des Murchison Rivers, insbesondere beim Nature‘s Window kann man beim richtigen Tageslicht spektakuläre Fotos schiessen. Dank unserem Stativ und den süssen Wallabies sollten wir coole Selbstporträts und schöne Tierfotos im Kasten haben. :-)
Über Geraldton ging es dann in den Lesueur Nationalpark. Hier sind viele prächtige und seltene Wildblumen zu Hause und im australischen Frühling natürlich in voller Blüte. Anschliessend verbrachten wir 2 Nächte im Yanchep Nationalpark. Das Campen inmitten von unzähligen wilden Kängurus und das Beobachten der Koalas beim Essen der Eukalyptusblätter und beim Schlafen hoch in den Bäumen war traumhaft schön.
Zurück in Perth besuchten wir erneut für 3 Tage unsere Freunde Rene und Lucy, machten einen Stadtrundgang und bestaunten das neu erbaute Areal rund um den Elisabeth Quai. Katie bekam einen Frühjahrsputz und wir schmiedeten unsere Reisepläne für den Südwesten wo wir die nächsten 4 Wochen verbringen werden.

Wiederum verliessen wir Perth bei nasskaltem Wetter. Da die Vorhersage auch für die nächsten Tage an der Küste viel Regen meldete, fuhren wir wieder ins Outback, diesmal nach Osten zu den Goldfeldern rund um Kalgoorlie-Boulder. Unterwegs besuchten wir Hyden mit seinem legendären Wave Rock. Die 15m hohe Granitwelle zählt zu den meistbesuchten Naturdenkmälern im Südwesten.
In der Doppelstadt Kalgoorlie-Boulder leben alle ausschliesslich von der Goldsuche. Die riesige Mine am Stadtrand, genannt Super Pit, hat inzwischen die gigantischen Ausmasse von 3.2km x 1.3km und eine Tiefe von 330m. Selbst die monströsen Minenkipplaster erscheinen dem Betrachter wie Spielzeugautos. Anhand der historischen Gebäude entlang der beiden Hauptstrassen, Hannan Street in Kalgoorlie und Burt Street in Boulder fühlt man sich zurückversetzt in den Wilden Westen, es fehlen nur noch Pferde, Indianer und Cowboys. Imposant ist auch die Wasserversorgung für die 32000 Einwohner. In einer 550km langen Pipeline wird das Wasser von Perth die 400 Höhenmeter heraufgepumpt und ist dabei 10 Tage lang unterwegs.

Gutes Wetter vor Augen ging es nun zügig südwärts in den Cape Le Grand Nationalpark bei Esperance. Wir campten 2 Nächte in der Lucky Bay. Die paradiesische Bucht, mit einem schneeweissen Sandstrand gesegnet, wird ihrem Namen vollkommen gerecht. Hier muss man einfach glücklich sein. Wir wanderten zu den Traumstränden von Thistle Cove und Hellfire Bay. Vom 262m hohen Frenchman Peak hatten wir eine fantastische Aussicht auf die Küste und die vorgelagerten Inseln.
In Esperance gibt es auf dem Great Ozean Drive einen Traumstrand nach dem anderen. Die weissen Sandstrände ergeben mit dem türkisblauen Meer einzigartige Kontraste. Auch die neugestaltete Strandpromenade und das historische Museumsdorf sind wunderschön angelegt.
Da erneut eine Kaltfront im Anmarsch war, fuhren wir nun nach Westen in den Stirling Range Nationalpark. Die Gebirgskette erhebt sich majestätisch aus dem flachen Umland und ist der einzige Ort in Westaustralien, in dem gelegentlich sogar Schnee fällt (1 Tag im letzten Winter). :-) Wir bestiegen die zwei höchsten Berge im Park, den 1073m hohen Bluff Knoll und den 1052m hohen Toolbrunup. Da die Sonne gerade einige Ruhetage einzog, haben unsere Gipfelfotos leider keinen blauen Himmel, dank unseren farbigen Kleidern ist aber doch nicht alles Grau. :-) Auch beim Besuch des Porongurup Nationalparks mit seinen Berginseln aus Granit weilte die Sonne noch in den Ferien, trotzdem waren die Aussichten vom Castle Rock, dem Nancy Peak und dem Devil‘s Slide den schweisstreibenden Aufstieg wert.

Nun erreichten wir den südlichsten Teil von Westaustralien. In Albany besuchten wir den Torndirrup Nationalpark mit der spektakulären Küstenszenerie bei The Gap und Natural Bridge. Vom Stony Hill genossen wir den perfekten Rundblick über den King George Sound und den Princess Royal Harbour. Albany selbst ist sehr schön gelegen, hat eine historische Innenstadt entlang der York Street und von den Hausbergen Mount Clarence und Mount Adelaide geniesst man schöne Aussichten auf Stadt und Hafen. Auch die militärische Vergangenheit von Australien wird dort oben anhand von Denkmälern, Festungen und Museen sehr informativ dargestellt.
Weiter westlich, bei Denmark, gibt es zwei traumhafte Buchten, Green’s Pool und Elephant Rocks. Da würden sogar wir Badeferien machen wenn es denn nur wärmer wäre, Wasser- und Lufttemperatur sind zurzeit nur 17 Grad. Hochsaison fürs Baden hier unten ist leider erst ab Januar, da stehen wir dann in der Schweiz auf dem Snowboard. :-)
Nun ging es ab in die Wälder. Im Valley of the Giants wachsen die seltenen Tingle Bäume, sie werden bis zu 400 Jahre alt und sind riesengross. Bis zu 24m Umfang und 75m Höhe, sehr imposant. Den Wald am besten erleben kann man auf dem Tree Top Walk. Eine wackelige, 600m lange Stahlkonstruktion führt bis zu 40m über den Waldboden und ermöglicht einen berauschenden Blick in die Baumwipfel. Vom Gipfel des Mount Frankland, 422m hoch, hat man den besten Ausblick auf die riesigen Wälder, selbst der 145km entfernte Bluff Knoll war noch zu sehen. Noch höher hinauf geht es bei den Karri Bäumen. Sie sind etwas schlanker gebaut, dafür bis zu 90m hoch. 13 dieser Riesenbäume wurden früher als Fire Lookouts benutzt, zur frühen Erkennung von Waldbränden, 3 davon sind nun öffentlich zugänglich. Über die spiralförmigen Leitern aus Eisenstäben bestiegen wir den Gloucester Tree, 60m, und den Bicentennial Tree, 75m. Aufstieg nur für schwindelfreie Kletterer. :-)

Von den Wäldern ging es nun in die Margaret River Region, ganz unten links in Australien. Die Küste zwischen dem Kap Leeuwin im Süden und dem Kap Naturaliste im Norden hat 4 ganz verschiedene Attraktionen: Unzählige Weingüter, traumhafte Surfstrände, vorbeiziehende Buckelwale und viele imposante Kalksteinhöhlen. Wir bestaunten die Surfer an der Redgate Beach, in Yallingup und im Mekka der australischen Surfer: Prevelly Beach bei Margaret River. Wir stiegen hinab in die Dunkelheit der Calgardup Cave und beobachteten die Wale am Sugarloaf Rock auf ihrer Reise nach Süden.
Der letzte Teil unserer Rundreise durch den Südwesten führte uns über Dunsborough, Busselton, Bunbury, Mandurah und Rockingham nach Fremantle bei Perth. In allen Städten war Shopping angesagt. Dazu spazierten wir über die 1841m lange Busselton Jetty und besuchten die „little Penguins“ auf der Pinguininsel bei Rockingham. Absolut genial war das Schwimmen mit wilden Delfinen. Mit Taucherbrille und Schnorchel, gezogen von einem Unterwasser-Scooter erlebten wir die Schwimmkünste der Delfine hautnah.

Zum Abschluss unserer grossen Reise besuchten wir, wie schon im 2014, die Insel Rottnest, 20km vor Perth gelegen. Unzählige, wirklich wunderschöne Strände auf der autofreien Insel, ein Traum für Radfahrer und Wanderer. Dazu die kleinen, süssen Quokkas, welche in Massen die Insel bevölkern. Es war schon lange Toni’s Wunsch, seinen 50ten Geburtstag inmitten dieser Minikängurus zu feiern, welche uns abends, nachts im Zelt und zum Frühstück nette Gesellschaft leisteten. :-) Wir mieteten uns ein Tandem, gingen Schnorcheln und beobachteten Seelöwen, Wale und Delfine aus nächster Nähe.
Zurück auf dem Festland besuchten wir noch unsere Freude Lucy und Rene in ihrem Ferienhaus an der Scarborough Beach, dann hiess es bye bye Australia und hello Switzerland.