Reisebericht von Australien
07.Mai bis 05.August 2024
Eine traumhaft schöne Reise mit unglaublich vielen Eindrücken. Geplant schon im 2020, durch Corona dann um 4 Jahre verschoben.Auch die nun schon dritte Flugreise für unser Tandem brauchte eine gute Vorbereitung. Gebucht bei Singapur Airlines hatten wir eine Gepäcklimite von 76kg, erneut war daher jedes Gramm entscheidend. Beim Check-in gab es dann doch ein Problem: Da der erste Flug von Swiss durchgeführt wurde, beharrte die Schalterdame auf den Konditionen von Swiss und wollte zusätzlich SFr. 280.-. Erst die Dame am Inkassoschalter hatte den Durchblick: Es gelten die Angaben auf dem Ticket, also alles in Ordnung, Glück gehabt :-)
Die 2 Flüge, Zürich – Singapur – Sydney, überstand das Tandem dann ohne Probleme. Wir übrigens auch :-)
Nach dem 2 stündigen Zusammenbau von Tandem und Anhänger ging es dann los auf einem perfekten Radweg. Die Freude dauerte dann aber nicht lange, Sydney entpuppte sich als sehr Velofeindlich :-(
Trotzdem gab es zwei Gründe zur Freude: Im Outdoorshop Anaconda klappte die Abholung (pay and collect) von Zelt und Gaspatronen perfekt und auch unser Hotel im Stadtzentrum überraschte positiv :-)
Wie erwartet zeigte sich das Wetter in feuchter Laune, der Regenschirm war 4 Tage lang ein oft benutzter Gegenstand. Dennoch gab es sonnige Fotos von Opera House, Harbour Bridge, Skyline und dem Tower Eye, wo wir bei einem guten Drink die 300m hohe Aussicht genossen.

Am 13.Mai starteten wir dann bei schönstem Wetter, das Tandemfoto mit dem Opera House gelang daher optimal :-)
Die velofeindlichen Strassen begleiteten uns dann aber auch auf dem Weg nach Norden, mit jedem Meter wurde es aber besser, und wir gewöhnten uns rasch an die australische Verkehrslage. Zur Aufheiterung trug auch eine Kolonie von Flying Foxes bei, dank der neuen Zoomkamera gelangen uns coole Fotos :-)
Von Palm Beach nach Ettalong ging es mit der Fähre, dann wieder über sehr stark befahrene Strassen nach The Entrance North wo wir unsere zweite Nacht im neuen Zelt genossen. Unser Zelt in Europa hat einen kleinen Schlafraum und für die Regentage einen riesigen Vorraum. Das Australienzelt hat einen mini Vorraum und einen riesigen Schlafraum damit man alles Gepäck wegen der giftigen Schlangen und Spinnen besser mit reinnimmt. Dass unsere Kochkiste auch immer rein muss lernten wir schnell, sie war am zweiten Morgen voll mit Ameisen :-(
Am dritten Tag bekamen wir eine sehr angenehme Begleitung: Der Radfahrer Tony fuhr mit uns fast den ganzen Tag und lud uns ein zu Kaffee und Kuchen. Mit ihm fuhren wir auch den Fernleigh Track, ein Radweg der Extraklasse, entlang einem stillgelegten Bahntrasse bis nach Newcastle. Hier brachte uns eine Minifähre hinüber zur Stockton Beach und zum gleichnamigen Campingplatz. Das schön gelegene Newcastle mit dem Leuchtturm am Nobbys Head gab auch viel zum fotografieren :-)

Nun ging es auf die Tilligerry Halbinsel, hier sind freilebende Koalas die Hauptattraktion. Leider haben sich die süssen Tiere sehr gut vor uns versteckt. Bei Medowie machten wir dann erstmals Bekanntschaft mit der Autobahn, dem Pacific Highway, kurz A1. Bis da hatten wir die A1 stets gemieden, das ungute Gefühl kehrte sich nun um, der Pannenstreifen ist breit, Radfahren offiziell erlaubt und mit viel Speed und Freude ging es jetzt nordwärts :-)
In der Bäckerei von Karuah genossen wir supergute Steak Pies und süsse Turnovers. In Buladelah übernachteten wir auf einem genialen Campingplatz, super-freundliches Personal, einmalige Landschaft und eine riesige Campingküche. Dazu für Toni ein Ginger Beer und für Andrea ein schöner Sonnenuntergang begleitet vom Gekreische tausender Vögel.
Früher als erwartet erreichte uns schon in der Nacht eine starke Regenfront und testete unser Zelt so richtig. Es blieb zwar alles dicht, aber im Regen das Zelt abzubauen ist leider kein Spass :-(
Auch die Fahrt über den Lakes Way nach Forster war bei sintflutartigem Regen ziemlich hart. Das wegen dem Wetterbericht vorgebuchte Motel und die abendlichen Fish und Chips brachten den Spass aber zurück :-)
Über North Haven und Bonny Hills erreichten wir Port Maquarie. Unterwegs immer wieder Schilder «Slow down - Koala Zone». Höhepunkt hier war das Koala Hospital, da werden kranke und verletzte Koalas gepflegt. Auch der schön gelegene Campingplatz und der Breakwall mit den farbigen Steinen ist sehenswert.
Wieder führte uns die A1 rassig bis nach Kempsey und weiter bis Nambucca Heads. Erneut überzeugten die farbigen Steine in der Brandung und der 5 Stern Camping.
Zügig fuhren wir weiter ins berühmte und schön gelegene Coffs Harbour. Nach der Fahrt über die Jetty und einigen tollen Fotos von Tandem und Sandstrand erwartete uns die Hölle der Strassen: Wegen einer langen Baustelle mussten wir aus Coffs hinaus über die zweispurige A1 ohne Pannenstreifen bei starkem Verkehr mit vielen Trucks so richtig Nerven lassen. Wenn Autos und Lastwagen mit über 100km/h und 50cm Abstand vorbeifahren ist der Spass am Radfahren ziemlich klein, in Australien leider öfters nicht zu umgehen :-(
In den Traumcampings von Moonee Beach und Red Rock konnten wir unsere Nerven dann erholen lassen. Da wir uns als Reflections Member angemeldet haben, gab es in Red Rock eine grosse Ermässigung auf den Campingpreis :-)
Auch die angenehmen Seitenstrassen zwischen Grafton und Maclean erhöhten den Genuss massiv. Über Woodburn erreichten wir Evans Head um 2km vor dem Camping den ersten Plattfuss einzufahren. In West Ballina bestaunten wir die Riesengarnele, dann ging es auf wunderschönen Radwegen zum Ballina Head, wo Aussicht und Vegetation einmalig ist. Leider nervt seit einigen Tagen das hintere Tretlager am Tandem, es macht einen ziemlichen Lärm, mal schauen ob uns ein Fahrradmechaniker in Byron Bay helfen kann.

Byron Bay ist sehr touristisch, 2 Tage lang konnten wir uns überzeugen wieso das so ist. Der Leuchtturm am Cape Byron, dem östlichsten Punkt von Australien, ist wunderschön gelegen, die Strände ebenso. Und da fanden wir Ihn, unseren ersten wilden Koala, weit oben im Eukalyptusbaum. Unsere Zoomkamera konnte nun beweisen was sie kann, perfekte Fotos waren das Ergebnis :-)
Die Stadt selber ist bekannt für ihr üppiges Nachtleben, junge Leute und Hippies fühlen sich hier besonders wohl. Die Fahradmechaniker gehören wohl auch zu dieser Gattung, Reparaturen sind Nebensache. Jedenfalls konnte uns niemand helfen, der Lärm am Tandem blieb uns erhalten :-(
Vorbei an der Wooyung Beach und dem schön gelegenen Hastings Point fuhren wir nach Tweed Heads und Coolangatta wo wir den ersten Blick auf die berühmte Gold Coast hatten. Imposant die riesigen Hochhäuser am langen Sandstrand, imposant die genialen Radwege, die Namen Gold Coast und Surfers Paradise sind voll verdient.
Immer näher kam nun die Grossstadt Brisbane wo wir 3 Tage bei Terry Turner in seiner alten Kirche wohnen durften. Terry kommt seit rund 40 Jahren im Winter einige Monate nach Wengen, zuerst als Barkeeper, zuletzt noch für Skiferien. Er war ein perfekter Reiseleiter und zeigte uns viele Schönheiten von Brisbane.
Vom Gipfel des Mount Coot-Tha hat man einen schönen Ausblick auf die Stadt und in der Downtown lässt es sich gemütlich bei einem Drink das Leben geniessen.
Speziell zu erwähnen sind die perfekten Radwege, Brisbane ist neben Perth für uns absolut die Nummer 1 :-) Die Nummer 1 ist auch Bicycle Stu, der private Mechaniker konnte mit schlauem Werkzeug unser Tandem reparieren :-)

Auch die Weiterfahrt nach Norden führte über perfekte Radwege. Brisbane, we love you. Vorbei an der Sandgate Beach und über die Ted Smout Bridge erreichten wir die schön gelegene Halbinsel von Clontarf und Redcliffe.
Dann ging es ab in die Berge: Die Glass House Mountains sind imponierende und bis zu 556m hohe Vulkanberge. Der höchste davon, der Mount Beerwah, war unser Ziel. Nach 2 stündiger leichter Kletterei erreichten wir den Gipfel und genossen das atemberaubende Panorama.
Nun folgte ein weiterer Höhepunkt an der Ostküste von Australien, die Sunshine Coast. Auch hier, wie an der Gold Coast, perfekte Radwege. Entlang dem Mooloolah River mit all seinen Bootsstegen genossen wir das Tandemfahren. Bis plötzlich die hintere Schaltung den Geist aufgab, Schaltkabel gerissen. Nach einer Stunde mit kniffligen Arbeiten war das Ersatzkabel eingezogen und weiter ging es bis nach Coolum Beach wo wir aus Zeitgründen den mit Abstand teuersten Camping nehmen mussten :-( Später stellte sich aber heraus, dass der geplante Campingplatz in Noosa ausgebucht war. Zum Glück hatten wir diese grössere Panne :-)
Am nördlichen Ende der Sunshine Coast liegt Noosa, ein wunderschön gelegenes Städtchen mit einer atemberaubenden Umgebung. Die Wanderung über Alexandria Bay, Hell’s Gates und Dolphin Point war genial, die Busfahrt dahin gratis und der nun vorgebuchte Campingplatz «Sea Scouts» sehr angenehm.

Nun folgten die 3 langen und verkehrsreichen Etappen über Maryborough und Childers nach Bundaberg. Hier wird der gleichnamige und bekannte Rum aus Zuckerrohr gebrannt, zudem kommt auch das beste Ginger Beer aus der Stadt am Burnett River.
Auf halbem Weg nach Agnes Water campten wir beim Royal Hotel in Rosedale. Da wir als Radfahrer von der Wirtin als «fucking Bastards» bezeichnet wurden, durften wir gratis campen und genossen eine supergute Pizza und coole Drinks :-)
Nun folgte einer der Höhepunkte unserer Reise: Beim Horizons Kangaroo Sanctuary & Camp lebten wir 2 Tage lang inmitten von unzähligen Kängurus und Wallabies. Viele geniale Fotos werden uns immer an diese schöne Zeit erinnern. Auch der Besuch von der Landspitze bei Seventeen Seventy war wunderschön, hier betrat James Cook 1770 zum ersten Mal den Boden Queenslands.
Über Gladstone fuhren wir nach Rockhampton, hier beginnt so langsam das Land der Krokodile. In Wassernähe ist also Vorsicht geboten. Auch die Eingeborenen, die Aborigines sind wieder zahlreicher zu sehen. Der Gratis Zoo in Rockhampton zeigte uns süsse Koalas, Wombats und Erdmännchen.
Nun folgten 3 Etappen über 100km, jeweils früh morgens ging es aufs Tandem, in Clairview Beach genossen wir daher einen traumhaften Sonnenaufgang. In Sarina gab es einen Ruhe- und Waschtag, dann ging es vorbei an unendlichen Zuckerrohrfeldern in den Eungella Nationalpark.
In Finch Hatton fanden wir einen gut gelegenen Campingplatz und zelteten 3 Nächte inmitten der hauseigenen Hühner. Dann fuhren wir die 700 Höhenmeter hinauf nach Eungella und gingen auf die Suche nach dem Platypus. Das seltene Schnabeltier ist zwar kleiner als erwartet und nicht ganz einfach zum Fotografieren. Aber auch hier konnte unsere neue Zoomkamera restlos überzeugen. Auch die abenteuerliche Fahrt in die Finch Hatton Gorge mit ihren Wasserfällen und Badepools war unvergesslich schön.

Nun folgte eine 3 tägige Schlechtwetterfront. Da wir aber den Campingplatz am Cape Hillsborough schon gebucht hatten konnten wir unsere Regenausrüstung so richtig testen. Dank unserem Tarp konnten wir zwar das Zelt einigermassen trocken Ab- und Aufbauen, die Fahrt selber war aber definitiv kein Spass. Sonnige Fotos mit den Kängurus am Sandstrand müssen wir daher bei der nächsten Australienreise machen :-)
Und schon folgte ein weiterer Höhepunkt unserer Reise: Airlie Beach. Hier ist der Ausgangspunkt für die Whitsundays mit ihren Traumstränden. Den Geburtstag von Andrea feierten wir mit Schnorcheln an der Chalkie’s Beach und einem Besuch der Whitehaven Beach, dem weissesten Sandstrand der Welt :-) Auch Airlie selber ist superschön, trotz der vielen Touristen hat man rund um das Zentrum mit der grossen Badelagune genug Platz zum Geniessen.
Auf der Weiterfahrt nach Bowen trafen wir Estelle und Emmanuel aus Toulouse. Sie sind 2 Jahre auf den Velos unterwegs, davon 3 Monate in Australien. Bei der Big Mango trennten sich unsere Wege wieder da wir noch die Schönheiten von Bowen geniessen wollten. Besonders die Horseshoe Bay und die verschiedenen Lookouts sind einen Besuch wert.
Über Home Hill und Ayr ging es nun zügig nach Townsville. Im Billabong Sanctuary bestaunten wir all die Krokodile und Koalas sowie den seltenen Helmkasuar. Der anliegende Campingplatz mit dem geheizten Whirlpool ist auch genial.
Nun folgte «Maggie»: So wird Magnetic Island liebevoll genannt. Auch wir haben uns sofort in die Insel verliebt. Schöne Wanderungen, unser zweiter wilder Koala, die süssen Rock Wallabies, die eigene Brauerei und wunderschöne Strände. Sehr speziell war auch der Campingplatz «The Forts». Das Bushcamp mit der Bushshower und der eigenen «Toilette» beim Zelt, einfach unvergesslich :-)

Zurück in Townsville bestaunten wir vom Castle Hille die Aussicht auf Stadt und «Maggie». Auch die Strandpromenade mit dem Rockpool hat uns wahnsinnig gut gefallen. Vorbei an der Frosty Mango fuhren wir über Ingham und Cardwell nach Tully, wo uns die Zuckerrohr Fabrik mit all den Zuckerrohr Bähnle imponiert hat.
Cycling Mission Beach, snorkeling Beaver Reef, zwei Traumtage am Meer und gleich gefolgt vom eindrücklichen Paronella Park, welcher vom spanischen Auswanderer Jose Paronella in den 1930er Jahren aufgebaut wurde. Die abendliche Lichtershow ist wirklich eindrücklich.
Nun ging es bergwärts, 800 schweisstreibende Höhenmeter hinauf in die Atherton Tablelands. Die 3 Wasserfälle Ellinjaa, Zillie und Millaa Millaa, die Dörfer Malanda und Yungaburra, die Seen Eacham, Barrine und Tinaroo, die Possums und Pademelons (Mini Kängurus) am Barron River, das muss man alles gesehen haben.
Über Atherton fuhren wir in die Granite Gorge bei Mareeba. Zwei Tage inmitten unzähliger Rock Wallabies und coolen Rock Pools. Da die süssen Tiere so gar nicht scheu sind, reichte das Handy für all die genialen Fotos :-) Der letzte Teil unserer Reise führte uns ins Land der Krokodile. Über Mossman und Wonga Beach ging es auf den Daintree River. Nirgends ist man den Salties so nah wie hier, vom Boot aus lässt sich sogar ein Selfie mit ihnen machen. Auch gelangen uns Fotos vom schönsten Schmetterling der Welt, dem Ulysses :-)

In schönen Port Douglas feierten wir unseren 12ten Hochzeitstag, dann fuhren wir die letzten Kilometer nach Cairns, Tachostand 4092. 5 gemütliche Tage in der Hauptstadt des tropischen Nordens: Kartonschachteln organisieren fürs Tandem, Geschenke einkaufen, gut Essen (Krokodil- und Kängurusteak) und unser Zelt bei Freunden deponieren für die nächste Australienreise.
Nachdem 3 Flughafen Taxis zu klein waren für unser Gepäck, klappte es dann endlich mit dem vierten. Erneut war aber das Check-in mit dem Tandem etwas schwierig, der Karton wog zu viel, maximal sind 32kg erlaubt. Alles wieder öffnen, Sattel demontieren, wieder zukleben, nur um es kurz später für die Sprengstoffkontrolle wieder öffnen zu müssen. Nach dem dritten Mal zukleben klappte dann alles perfekt, wohlbehalten kamen Tandem und wir zurück in die Schweiz :-)
Der nächste Reiseplan für Australien ist schon geschrieben, wir haben schon jetzt Heimweh nach dem roten Kontinent :-)
Wir übernachteten
3x im Flugzeug, 13x in Hostels oder Cabins,
3x bei Freunden und 72x im Zelt.
Total stehen wir nun schon bei 486 Zeltübernachtungen.
Wir radelten 4092 km weit.
Total stehen wir nun schon bei 57'449 Tandemkilometern.
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