Reisebericht von der Tandemtour Bretagne / Paris
16.Mai-10.Juli 2022
Da uns wegen Corona die seit 2 Jahren geplante Australienreise immer noch zu unsicher war und zudem die Flugpreise fast doppelt so teuer geworden sind, haben wir uns für eine Tandemtour in der Nähe entschieden.
Andrea wollte schon immer mal mit dem Tandem nach Paris, der direkte Weg erschien Toni aber viel zu kurz, ein «kleiner» Umweg über die Bretagne musste es dann schon sein :-)
Am 16.Mai starten wir in Schaffhausen und fahren Rheinabwärts in Richtung Basel. In Waldshut-Tiengen machen wir einen wichtigen Zwischenstopp: Wir kaufen uns eine Bratpfanne :-) und zwar eine richtig grosse und dank Aluminium doch sehr leichte. Für unsere Campingküche ist das eine grosse Bereicherung, Koch Toni ist begeistert, die Auswahl der Speisekarte wird massiv erhöht.
Ab Basel fahren wir immer auf dem Radweg Eurovelo 6. Dieser folgt zuerst dem Canal du Rhône au Rhin, mit 112 Schleusen auf 237km. Ab Voujeaucourt bei Montbéliard begleitet der Kanal den Doubs, bei flachem Wasser direkt über den Fluss, sonst in den vielen Schleusen nebenher. In Besancon sogar kurz durch einen Tunnel, der Radweg ebenfalls. In Dole verlässt der Kanal den Doubs und folgt der Saône bis nach Chalon sur Saône.
Nun folgt der Radweg dem Canal du Centre mit 61 Schleusen auf 112km bis nach Digoin wo er auf die Loire trifft und über die mächtige, 243m lange Brücke den Fluss überquert. Hier beginnt der Canal Latéral à la Loire mit 37 Schleusen auf 196km. Wir folgen nun der Loire entweder entlang dem Kanal oder über ruhige Nebenstrassen bis nach Nevers.

Kurz nach Nevers, in Cuffy, verlassen wir die Loire und den Eurovelo 6, wir folgen bis nach Villandry bei Tours dem Radweg Canal du Berry mit 97 Schleusen auf 261km. Dieser ist rund 40km kürzer, hat jedoch etwas mehr Höhenmeter und zeitweise sehr holprige Abschnitte, welche für uns und das Tandem ziemlich herausfordernd waren, nasse Füsse inbegriffen :-)
Entlang den Flüssen Allier, Auron, L’Yèvre und Cher folgt der Kanal einer sehr schönen Landschaft, ist aber entgegen den anderen Kanälen nur teilweise Schiffbar. Ab Villandry folgen wir wieder der Loire, vorbei an wunderschönen Landschaften, malerischen Burgen und Schlösser sowie vielen Rebbergen und deren Caves, welche imposant in die Sandsteinfelsen hineingegraben wurden. Speziell die Loire in ihrer Breite mit den vielen Inselchen und den mächtigen Sandbänken ist beeindruckend.
Nach 1200km erreichen wir Nantes und sind hell begeistert: Dem grünen Strich folgend, lassen sich alle Schönheiten der Stadt per Rad oder zu Fuss bestens erkunden. Nach Perth in Australien ist Nantes aus unserer Radfahrersicht die zweitbeste Stadt welche wir bis jetzt besucht haben :-)

Nun beginnt die Bretagne. Entlang dem Canal du Nantes à Brest fahren wir auf schönen, aber sehr staubigen Radwegen bis nach Malestroit. Hier verlassen wir den Kanal, querfeldein geht es zur Halbinsel Quiberon am Atlantik. Hier bestaunen wir die wunderschönen Strände und all die Hinkelsteine, welche Obelix ganz schön in Reih und Glied aufgestellt hat :-)
In Pontivy treffen wir wieder auf den Kanal, welchem wir bis Carhaix-Plouger folgen. Unterwegs bestaunen wir die Treppen-Schleusen des Kanals, für die damalige Zeit ein unglaublich imposantes Bauwerk. Insgesamt gibt es 236 Schleusen, welche die 555 Höhenmeter auf dem 396km langen Kanal bewältigen. Auf den 77km von Carhaix nach Morlaix folgen wir einem stillgelegten Bahngeleise, ganz elegant radeln wir so über die Steigungen und Gefälle :-)
Nun sind es nur noch wenige Kilometer bis nach Cléder an die Nordküste der Bretagne, wo Toni vor 24 Jahren mal 2 Wochen Strandferien verbrachte. Die Landschaft hier, wie an der ganzen Küste der Bretagne, ist unglaublich beeindruckend. Die Granitfelsen am Strand, das Spiel von Ebbe und Flut, all die Leuchttürme, einfach magisch.

Nach 4 Tagen in Cléder, Roscoff und Carantec starten wir in Richtung Mont-Saint-Michel. 416 wunderschöne Kilometer an der Nordküste warten auf uns, garniert mit vielen Höhenmetern, die Bretagne ist ganz und gar nicht flach :-) Höhepunkte unterwegs sind der Camping von Locquirec, die Felsformationen und der Leuchtturm von Ploumanac’h, der Strand von Bréhec, die Altstadt von Saint-Malo und natürlich der Mont-Saint Michel.
Die Touristenmassen welche auf dem 2km langen Steg zum Klosterberg hinauspilgern sind beeindruckend. Auch für uns ist die Fahrt ein Erlebnis, bei schönstem Wetter lassen sich viele coole Fotos machen. Mit dabei an unserem Anhänger ist seit Saint-Malo auch eine kleine Piratenflagge, wir sind nun «les Pirates suisses» :-)

La Véloscénie heisst nun der Radweg welcher uns nach Paris führt. 450km, zur Hälfte entlang von stillgelegten Bahngeleisen, die andere Hälfte über ruhige Nebenstrassen. Unterwegs geniessen wir in Chartres einen Regenruhetag um uns dann auf dem Camping Huttopia in Rambouillet von den vielen Mücken stechen zu lassen. Zum Glück war das mit den Mücken eine einmalige Sache, aber auch der Camping Huttopia in Versailles lässt sich von uns nicht weiterempfehlen :-( Auch die Stadt Versailles erfüllte unsere Erwartungen nicht, das Schloss mit seinem riesigen Garten ist hingegen sehr imponierend.
Paris, die Stadt der Liebe. Auch wir haben uns schnell in diese Stadt verliebt. Die Fahrt mit dem Tandem durch Paris, vorbei am Eiffelturm, Champs Élysées hinauf und hinunter, zweimal rund um den Arc de Triomphe, Louvre und Place de Bastille, einfach genial. Die Radwege in der Stadt und am Kanal Saint-Martin zur Stadt hinaus, einfach super.

In Bobigny gönnen wir uns für drei Nächte ein Hotel, erkunden Paris per Métro und zu Fuss. Sacré-Coeur, Montmartre und Moulin Rouge, sehr beeindruckend. Andrea kann ihren Geburtstag bei einem Glas Pink Spritz und Sweetcorn Balls mit Frites in der Bar «Frog» am Place de Bastille bestens geniessen.
Der Paneuropa Radweg ist knapp 500km lang und führt von Paris nach Strasbourg. Er startet entlang des Canal de l’Ourcq, 110km, 10 Schleusen, und zeigt uns zwei ganz verschiedene Gesichter. Vom schönsten geteerten Radweg durch die Champagne entlang des Canal Latéral à la Marne, 67km, 15 Schleusen, bis hin zur holprigen Graspiste am Canal de la Marne au Rhin bei Vitry le Francois ist alles dabei. Zudem fehlt fast durchgehend eine gute Beschilderung, unser GPS bekam ganz viel Arbeit :-(
Zum Elsass hin ist dann aber alles perfekt, zudem ist der Canal de la Marne au Rhin, 293km, 156 Schleusen, mit seinen 2 Tunnels, den speziellen Schleusen und dem alten, nicht mehr benutzten Kanal unglaublich beeindruckend und sehenswert :-)
In Saverne verlassen wir den Paneuropa Radweg, durch die Elsässer Rebberge fahren wir südwärts nach Colmar. Hier hat es uns aber viel zu viele Touristen, schnell geht es weiter ins benachbarte Eguisheim. Hier bestaunen wir die alten Fachwerkhäuser und all die Storchennester auf den Dächern. In Rixheim bei Mulhouse schliesst sich unsere Frankreichrunde. Am nun bestens bekannten Canal du Rhône au Rhin fahren wir nach Basel und Rheinaufwärts nach Schaffhausen :-)

Wir radelten 3597 Kilometer weit
Dabei passierten wir ca. 724 Schleusen
Total stehen wir nun schon bei 51‘062 Tandemkilometern
Wir übernachteten 3x im Hotel, 52x im Zelt.
Total stehen wir nun schon bei 407 Zeltübernachtungen
In 56 Tagen hatten wir unterwegs nur 4 Stunden Regen
Dazu zwei Regenruhetage in Chartres und Paris
Soviel Wetterglück hatten wir noch nie :-)