Reisebericht von unserer Tandemtour
26.Mai bis 20.Juni 2019
Die Idee zu dieser Tandemtour lieferte uns der englische Downhill Only Ski Club, DHO. Seit vielen Jahren arbeiten Bob & Rachel Eastwood als Skilehrer für den DHO und die Schweizer Skischule in Wengen. Bei einem gemeinsamen Nachtessen wurde aus der Idee ein handfester Plan: Nachdem wir schon im 2008 mit dem Motorrad und 2010 mit unserem Büssli zu Bob und Rachel fuhren, war die Reihe nun an unserem Tandem.Seit unserer Australienreise im 2014 ist das Tandem ja auch flugtauglich :-) So flogen wir mit helvetic airways von Zürich nach Manchester, besuchten Bob und Rachel in Burton of Kendal, durchquerten den Norden von England, fuhren mit der Fähre von Newcastle nach Ijmuiden bei Amsterdam, besuchten unsere Freunde Ruud und Jessica in Nieuw Vennep und fuhren entlang dem Rhein zurück nach Schaffhausen.
1.Tag, 12km. Flug von Zürich nach Manchester, Zusammenbau des Tandems am Flughafen, kurze Fahrt zum Luther King House, unser Hotel am Südrand der Stadt. Beim abendlichen Spaziergang auf der Suche nach einem guten Essen zuerst ein kleiner Schock: Wir landeten mitten in der „Curry Mile“, Englands grösster Ansammlung an Restaurants aus Asien. Da uns diese Küche und Mentalität ganz und gar nicht behagt, sofort rechtsumkehrt und schon bald befanden wir uns in einem guten alten englisch Pub wo wir uns fast wie zu Hause fühlten :-)
2.Tag, 0km. Stadtbesichtigung von Manchester, Einkaufen von Lebensmitteln und Gas für den Kocher. Nach dem Schock vom Vortag zeigte sich die Millionenstadt in einem ganz anderen Licht: Guter und preiswerter öffentlicher Verkehr, saubere und übersichtliche Downtown, hervorragende Shoppingmöglichkeiten und natürlich supercoole Pubs :-)
3.Tag, 63km. Start zu unserer Tandemtour: nordwärts quer durch Manchester, über Bury und Accrington nach Clitheroe auf den gleichnamigen Camping. Unterwegs erschwerten uns die unsäglichen englischen Radweghindernisse eine zügige Fahrt, mehrmals mussten wir sogar den Anhänger abkuppeln um durchzukommen :-(

4.Tag, 57km. Nach einer für unsere Sommerschlafsäcke super kalten Nacht (+4 Grad) überquerten wir den Forest of Bowland auf schmalen und steilen Strassen (16%). Ein richtiger Test für unsere Beine und die Bremsen, garniert von typisch englischem Regenwetter. So erreichten wir Burton of Kendal und freuten uns riesig auf warmes Essen und ein warmes Bett bei Bob und Rachel.
5.Tag, 0km. Besichtigung von Kendal, ganztägiger Regen und eine superteure Busfahrt :-(
6.Tag, 27km. Kurze Tandemtour nach Arnside, fast ganztägiger englischer Regen.
7.Tag, 20km. Noch kürzere Tandemtour nach Carnforth, der Regen will nicht aufhören. Abends dann ein trockener Ausflug nach Arnside wo es die weltbesten Fish & Chips gibt :-)
8.Tag, 53km. Weiterfahrt über Sedbergh nach Kirkby Stephen. Wiederum nervte uns das typisch englische Regenwetter, doch erneut freuten wir uns riesig auf warmes Essen und ein warmes Bett, diesmal bei Adele und Terry, fantastische englische Gastfreundschaft :-)
9.Tag, 63km. Überquerung der Hügelkette „The Pennines“ und entlang dem Hamsterley Forest nach Wolsingham. Unterwegs begegneten wir sehr vielen „Gypsies“ (Zigeuner), welche auf dem Weg waren nach Appleby zu Europas grösstem Gypsy Festival. Endlich blieben auch die Regenkleider mal in der Tasche, aber da es immer noch sehr kühl war gönnten wir uns ein bisschen Luxus und übernachteten im Bay Horse Hotel.
10.Tag, 40km. Auf vielen supersteilen Strassen (20%) fuhren wir über Consett nach Wylam am River Tyne. Auch hier gab es ein bisschen Luxus: Black Bull Inn :-).
11.Tag, 31km. Gemütliche Fahrt entlang dem River Tyne quer durch Newcastle bis zum Fährhafen. Die letzten Pounds blieben dank dem „Subway“ und dem „Poundland“ in England. Die Fähre King seaways brachte uns dann in 14 Stunden nach IJmuiden bei Amsterdam.

12.Tag, 58km. Über Bloemendaal und Zandvoort ging es ganz gemütlich nach Nieuw Vennep zu unseren Freunden Ruud & Jessica. Gute-Nacht Drink an der Beach von Zandvoort :-)
13.Tag, 0km. Skizentrum Hoofddorp angeschaut, war leider wegen der Sommerpause geschlossen, Snowboarden auf der Indoor Rollpiste fehlt uns noch :-) Shopping in Harleem und Nachtessen in Heemstede.
14.Tag, 0km. Besuch des Louwman Automuseums in Den Haag, Stadtbummel durch Leiden.
15.Tag, 76km. Entlang von vielen kleinen und schönen Kanälen fuhren wir auf direktem Weg nach Utrecht, um dann entlang des grossen Amsterdam-Rhein Kanals zum Niederrhein zu gelangen. Im Camping „Boomgardje“ in Wijk bij Duurstede lief abends am TV der Nations League Final zwischen Portugal und den Niederlanden. Unsere grosse Freude am Sieg von Christiano Ronaldo‘s Team durften wir inmitten der enttäuschten Holländer aber nicht zeigen :-)
16.Tag, 102km. Nun ging es entlang des Rheins, der hier noch Waal heisst, nach Nijmegen. Hier und im benachbarten Arnheim spielten die Brücken am Ende des zweiten Weltkrieges eine grosse und tragische Rolle. An vielen Mahnmals wird an all die gefallenen Soldaten gedenkt. Bei Millingen hiess es „tot ziens“ Holland und „hallo“ Deutschland. Am Wisseler See bei Kalkar nervten dann die halbe Nacht betrunkene und sehr laute Zeltnachbarn :-(
17.Tag, 92km. Vorbei an Xanten und den grossen Städten Moers und Krefeld fuhren wir nach Niederlörick bei Düsseldorf. Dieser Teil des Rheins hat uns gar nicht gefallen: Wegen der vielen Industrie war vom Fluss den ganzen Tag nicht viel zu sehen und die Städte machten auch keinen sauberen und wohnlichen Eindruck :-(
18.Tag, 100km. Im Dauerregen fuhren wir auf dem kürzesten Weg nach Köln. Trotz des „Grau in Grau“ ist der Kölner Dom imponierend und der Radweg entlang des Rheins ist ab hier empfehlenswert.

Noch besser wurde es in Bonn, Angela Merkel regierte in einer sehr schönen Stadt. Die Aussicht auf das Grandhotel Petersberg und das Siebengebirge ist beeindruckend. In Mehlem auf dem Camping Genienau hatten wir nette und vielgereiste Zeltnachbarn. Wir unterhielten uns unter anderem über Radtouren in den Bärenländern Alaska und Kanada und bestaunten ihr Tarp, welches das Zelt im Regen und bei Sonne zu einem Luxusheim erweitert. Ein Tarp haben wir nun schon gekauft :-) und die Bären werden sicher auch mal unser Tandem bestaunen können :-)
19.Tag, 97km. Ab hier ist der Rheinradweg ein Genuss: Vorbei an vielen imposanten Schlössern, Burgen und Ruinen fuhren wir meistens direkt am Wasser nach Koblenz. Am „deutschen Eck“ beim Zusammenfluss von Mosel und Rhein gibt es massenweise Touristen. Kein Wunder bei dieser wunderschönen Kulisse. Abends dann auf dem Camping Loreleyblick bei Sankt Goar: All die Sagen über den Loreleyfelsen und der Blick auf die Burg „Katz“ in Sankt Goarshausen haben etwas magisches, hier ist es wirklich wunderschön :-)

20.Tag, 95km. Vorbei an Bingen mit dem Blick auf das bekannte Rüdesheim folgten die Städte Wiesbaden und Mainz welche aus Radfahrersicht nicht das „gelbe vom Ei“ sind. Daher liessen wir den Camping von Mainz wegen seiner „Siesta“ links liegen und fuhren weiter nach Nierstein. Da der dortige Camping nicht mehr existierte kamen wir in der Pension Rheinblick zum Genuss eines grandiosen Frühstückbuffets :-)
21.Tag, 86km. Über Worms und Ludwigshafen fuhren wir nach Speyer. Nach der unspektakulären Tour und dem sehr einfachen Camping am Badesee erfreute uns der geschenkte „Ouzo“ im griechischen Restaurant :-)
22.Tag, 102km. Damit wir sprachlich etwas Abwechslung bekommen, hiess es bei Lauterbourg „tschüss“ Deutschland und „bonjour“ Frankreich. Unterwegs sorgte das Hochwasser vom Rhein fast für nasse Füsse: Der Radweg stand auf etwa 300m 13cm unter Wasser, eine spannende Fahrt :-). In Roeschwoog genossen wir den sehr empfehlenswerten Camping „Le Staedly“ mit einem sehr sauberen Badesee :-)
23.Tag, 92km. Diesen Tag werden wir nicht so schnell vergessen: Nach einer Irrfahrt durch Strassbourg durchfuhren wir das „Nuttenviertel“ und eine schwerverkehrsreiche Schnellstrasse, nichts für schwache Nerven :-). Der Rhein-Radweg führte eben nicht wie angenommen entlang des Rheins, sondern quer durch das Zentrum und dann entlang des Rhône-Rhein Kanals. Doch in Rhinau stellte der super Camping „Les Tuileries Farm“, wieder mit schönem Badesee, die gute Laune wieder her :-)
24.Tag, 80km. Bei Marckolsheim wechselten wir wieder auf die deutsche Seite, im schönen Breisach am Rhein unterhalb des Münsters genossen wir im Eiscafé „Incontro“ eine supergute Coupe. Trotz eines kurzen Umweges durch den überschwemmten Radweg war diese Etappe ein Genuss und der Camping „Gugel“ in Neuenburg am Rhein verwöhnte uns mit einem Indoorpool :-)
25.Tag, 93km. Tagwache um 06.00 Uhr, wegen der Hitze und dem Heimweh. Dann ging es schnurstracks über schöne Schotterwege nach Basel. Über Rheinfelden und Bad Säckingen sofort zügig weiter nach Laufenburg. Kurz Energiespeicher und Flüssigkeitsdepot aufgefüllt um dann bei 35 Grad steil den Berg hoch zum Camping Waldesruh in Mettau zu fahren.
26.Tag, 66km. Nach der letzten Zeltnacht fuhren wir voller Freude über Koblenz, Tiengen und das Klettgau die letzten der 1505km nach Schaffhausen und genossen sofort ein Bad in unserem eigenen, traumhaft schönen Pool :-)
Wir übernachteten 8x bei Freunden, 5x im Hotel, 1x auf der Fähre, 11x im Zelt
Total stehen wir nun schon bei 338 Zeltübernachtungen
Wir radelten 1505km weit, total stehen wir nun schon bei 41‘665 Tandemkilometern